Imker-Besuch auf Nordstrandischmoor

Inselbelegstelle Nordstrandischmoor

 

Oder: Was machen 2 Imker im Februar auf der Hallig?

 

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Am 16. Februar 2014 machte ich mich in aller Frühe auf eine geheimnisvolle Reise. Um 6 Uhr morgens, es war natürlich noch stockdunkel, riss mich der Wecker aus meinem Schlaf, denn es sollte Richtung Westen gehen, an die Schleswig-Holsteinische Nordseeküste. Und das mitten im Winter bei Nachtfrost und aktueller Sturmwarnung. Verabredet war ich um 9 Uhr in Lüttmoorsiel mit Sebastian Runge, besser bekannt als Basti, der mich eingeladen hat, die Hallig Nordstrandischmoor zu besichtigen, um sie als mögliche Inselbelegstelle für die Dunkle Biene zu begutachten.

Nach anderthalbstündiger Fahrt durch die Schleswig-Holsteinischen Geest- und Marschlandschaften kam ich in Lüttmoorsiel bei schönstem Sonnenaufgang an. Lüttmoorsiel ist nach mehreren Deichüberquerungen der letzte Punkt auf dem Festland; danach kommt nichts mehr außer der Nordsee. Beinahe, denn: in der Ferne lassen sich von Lüttmoorsiel aus bereits die Halligen erahnen.

Noch nie habe ich so hautnah und intensiv die Westküste erlebt: in rauher Natur war hier die Kraft der Nordsee und des Windes unmittelbar spürbar. „Und da draußen sollen Menschen leben?“, fragte ich mich.

Es dauerte nicht lange, da kam auch Basti vorgefahren. Wir suchten uns hinter einem Schuppen ein relativ geschütztes Plätzchen für den ersten Klönschnack. Denn um 9 Uhr kam schon der „Insulaner“ Thore Siefert, Bewohner von Hallig Nordstrandischmoor, mit seiner Lore auf uns zu gefahren. Die Lore, es ist die einzige Verbindung vom Festland zur Hallig, erschien uns sehr urig: auf einer Schmalspurschiene überbrückt diese „Inselbahn“ die ca. 4 km Länge zwischen Festland und Hallig. Nur gut, dass diese unsere Lore ein geschlossenes Exemplar war, denn wir befürchteten schon, dass die Überfahrt bei Windstärke 9 und Hagel / Regen von der Seite in einer offenen Lore statt findet und uns nur ein kalter Metallrahmen zum Festhalten blieb. Glücklicherweise war es nicht so.

Kurzum: wir machten uns mit Thore bekannt; es war vom ersten Augenblick an eine sympathische Begegnung. Und schon ging es los: mit lautem Knattern setzte sich unsere „Bahn“ in Bewegung, zuerst den Deich in leichter Steigung hinauf, und auf der anderen Seite wieder hinunter. Jetzt waren wir im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer, rundherum nur Watt und Wasser, und wir in der Lore auf einem schmalen Damm, der schnurgerade zur ca. 4 km entfernten Hallig führt. Das war ein Erlebnis! Natur pur! Und ein schönes Abenteuer!

Die Hallig Nordstrandischmoor ist in ihrer Ausdehnung ca. 2,6 km lang und ca. 1 km breit und hat eine Fläche von ca. 1,9 qkm. Sie besteht aus vier Warften, auf denen jeweils ein Haus steht. Bei jeder Sturmflut ist die ganze Hallig unter Wasser (man nennt es hier „Land unter“); nur die vier Warften ragen aus der tobenden Nordsee. Und manchmal sogar nagt die Nordsee an der Hauswand.

Bislang steht die Hallig Nordstrandischmoor als gesetzlich geschützte Inselbelegstelle der Carnica Zuchtrichtung Sklenar zur Verfügung. Hierfür wird sie aber seit einigen Jahren nicht mehr genutzt, so dass wir schauen wollten, ob sich die Hallig auch für eine Belegstelle der Dunklen Biene in Schleswig-Holstein eignet.

Thore und seine Frau Susanne Siefert haben wir beide sofort als äußerst sympathische und ausgeglichene Menschen kennen gelernt. Ich glaube, diese Ruhe muss man hier auf der Hallig auch haben, denn Angsthasen könnten sich bei Sturmflut hier schnell in die Büx machen.

Schnell kamen wir ins Gespräch, und Basti hat mit Thore vornehmlich den fachlichen Teil übernommen, wohingegen ich etwas Pause hatte, um mich von der ergreifenden Natur beeindrucken zu lassen. Es ist schon ein wahnsinnig schönes Bild, praktisch mitten in der Nordsee zu stehen, nur knapp oberhalb der Wasserspiegels, auf einem „Häufchen“ Land, wo Menschen leben. Die Grenze zwischen Hallig und dem angrenzenden Watt war für mich zunächst gar nicht so einfach auszumachen. Denn diese Grenze ist grün; sie wird geprägt vom salzfesten Gras und von einer vorzüglichen Bienenweide, dem Strandflieder, der hier auch Halligflieder genannt wird, einer ausdauernden niedrigen Staude.

Thore und Basti wurden sich bezüglich eines möglichen Standplatzes für die Drohnenvölker und die Begattungsvölkchen offensichtlich schnell einig, so dass wir nach einem friesische Kaffee bei den Gastgebern auch bald wieder die Hallig verlassen konnten, denn es war Sturmflut und „Land unter“ angesagt. Tatsächlich stieg das Wasser schon recht hoch, so dass wir uns beeilen mussten, denn wir wollten ja vor der Flut wieder festen Boden unter den Füßen haben. Nach knapp halbstündiger Fahrt erreichten wir wieder Lüttmoorsiel und damit den Beltringharder Koog. Als Koog werden eingedeichte Landmassen bezeichnet, die rundherum von einem Deich vor der Nordsee geschützt werden.

Es war eine hochinteressante, einmalige Erlebnistour zu dieser schönen Hallig. Ganz besonders möchte ich mich bei Basti bedanken, der mich als damals einzigen eingeweiht und mitgenommen hat. Ein ebenso großes Dankeschön geht an die Familie Siefert für ihre Gastfreundschaft und den freundlichen Aufenthalt mit den vielen Informationen.

Kai-M. Engfer

Webseiten zum Thema:

Nordstrandischmoor auf Wikipedia: Nordstrandischmoor

Nordstrandischmoor Webseite : Webseite Nordstrandischmoor

Familie Siefert, Ferienwohnungen: Ferienwohnung Familie Siefert, Nordstrandischmoor 

Nordstrandischmoor im Imkerforum: Imkerforum Nordbiene